Speed-Dating mit dem Judentum

Ein bereichernder Abend in der Synagoge Hohe Weide – voller Begegnung, Bildung und Bedeutung.

Am Donnerstag, dem 6. Juni 2025, fand in der Synagoge Hohe Weide ein ganz besonderer Austausch statt: Beim „Speed-Dating mit dem Judentum“ erhielten Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft die Gelegenheit, das jüdische Leben in Hamburg auf persönliche und eindrückliche Weise kennenzulernen.

Eingeladen hatte die Stiftung Bornplatzsynagoge, die dieses Format bewusst in familiärer Atmosphäre gestaltete. Ziel war es, über direkte Begegnungen das Judentum greifbar zu machen und auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen. Daniel Sheffer, der Vorsitzende der Stiftung Bornplatzsynagoge begrüßte gemeinsam mit der Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Carola Veit, die Vertreterinnen und Vertreter der Jüdischen Gemeinde, die eingeladenen Abgeordneten.

Nach einer Führung durch die Synagoge boten drei Thementische Raum für einen intensiven Austausch. Zu folgenden Themen konnten dort Fragen gestellt werden:

  • Jüdischer Glaube
  • Jüdisches Leben in Hamburg
  • Die Geschichte und Zukunft der Bornplatzsynagoge

Die Gespräche an diesen Stationen waren für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer augenöffnend. Vertreterinnen und Vertreter der Jüdischen Gemeinde luden dazu ein, dem Judentum mit Offenheit und Neugier zu begegnen – und das gelang eindrucksvoll. Der Abend war geprägt von gegenseitigem Respekt, lebendigem Interesse und einem gemeinsamen Wunsch nach einem vielfältigen, toleranten Miteinander in unserer Stadt.

Für mich persönlich war dieser Abend tief bewegend. Ich habe so viel Neues erfahren – über den jüdischen Glauben, das Gemeindeleben und die lange, teils verdrängte Geschichte jüdischer Kultur in Hamburg. Dabei wurde mir einmal mehr bewusst, wie lange mir selbst diese Spuren verborgen geblieben sind.

Vom jüdischen Leben in Hamburg war lange Zeit kaum etwas sichtbar. Die Bornplatzsynagoge war einst eine der größten und prächtigsten Synagogen Deutschlands. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde sie geschändet, verwüstet und angezündet. Und als wäre das nicht genug, wurde die jüdische Gemeinde gezwungen, ihr Grundstück weit unter Wert an die Stadt zu verkaufen – und auch noch die Abrisskosten zu tragen.

Doch heute gibt es Grund zur Hoffnung: Mehr als 107.000 Menschen haben sich bei einer Unterschriftenkampagne unter dem Motto „Nein zu Antisemitismus – Ja zur Bornplatzsynagoge“ für einen Wiederaufbau ausgesprochen. Bereits am 12. Februar 2020 sprach sich die Hamburgische Bürgerschaft einstimmig für das Projekt aus. Im November 2020 bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestags 65 Millionen Euro für den Wiederaufbau. 2023 schließlich, 84 Jahre nach der Zerstörung, gab die Stadt Hamburg der jüdischen Gemeinde das Grundstück zurück.

Aktuell läuft ein Planungswettbewerb für den Neubau. Der Wunsch der jüdischen Gemeinde, jüdisches Leben wieder sichtbar in die Mitte der Stadt zu bringen, rückt damit in greifbare Nähe.